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Problemfeld Hofübergabe – geeignete Nachfolger fehlen

Der Generationswechsel ist bei deutschen Landwirten ein großes Thema. Da in der Familie immer häufiger ein geeigneter Nachfolger fehlt, haben viele Bauern mehr Fragen als Antworten.

Die reibungslose Generationenfolge ist für landwirtschaftliche Betriebe von besonderer Bedeutung. Nicht nur persönliche Vorstellungen von Übergebern und Übernehmern spielen eine wichtige Rolle. Auch die schwierig zu kalkulierenden Rahmenbedingungen für die Entwicklung landwirtschaftlicher Betriebe führen dazu, dass an die Qualität der Hofübergabe und Generationenfolge immer höhere Ansprüche gestellt werden. Gerade weil es weniger Bauernhöfe in Deutschland geben wird, erfordern steigende Betriebsgrößen, aber auch der Einsatz neuer nachhaltiger Technologien höhere berufliche Bildungsqualifikationen der Übernehmenden. Dieser Prozess muss – wenn er für alle beteiligten Parteien erfolgreich sein soll – im Idealfall von qualifizierten Steuerberatern, Anwälten und Verbänden begleitet werden.

Die Agrarökonomen Professor Dr. Stephan von Cramon-Traubadel und Dr. Carsten Holst von der Universität Göttingen schätzen in einer Studie, dass bis zum Jahr 2031 jährlich auf 3.500 Höfen bundesweit die Nachfolge neu geregelt werden muss. Dem stünden 4.300 Berufsabschlüsse in landwirtschaftlichen Berufen gegenüber: Der erwartete Fachkräftemangel werde somit geringer ausfallen als befürchtet, so die Studie, die von der Edmund-Rehwinkel-Stiftung der Landwirtschaftlichen Rentenbank unterstützt wurde. Allerdings rechnen die Autoren der Studie auch mit fachlich steigenden Anforderungen an Betriebsleiter. Und: In Relation zum gesamten Arbeitsaufkommen in der deutschen Landwirtschaft ist die Zahl der Ausbildungsabschlüsse gering: Auf 100 Arbeitskraft-Einheiten bezogen schließt in Deutschland jährlich nur eine Person eine Berufsausbildung in der Landwirtschaft ab.

Etwa 58 Prozent der Arbeitsleistung werden noch von Familienarbeitskräften in Einzelunternehmen erbracht, deren Entwicklung aber rückläufig ist, so die Studie. Die Arbeitsleistung ständig beschäftigter Arbeitskräfte (in Voll- oder Teilzeit) wächst hingegen und somit auch der Bedarf an entsprechend ausgebildeten Arbeitnehmern. Die Göttinger Professoren empfehlen daher, mehr Jugendliche als bisher, die keine direkte Möglichkeit zur Übernahme eines Betriebs haben, für eine landwirtschaftliche Ausbildung zu werben.

Neben den Alters- und Ausbildungsstrukturen der Betriebsleiter können weitere Bestimmungsgründe wie die betriebswirtschaftliche Ausrichtung und die Betriebsgröße einen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit der Hofnachfolge haben. Laut der Studie können Veredelungs- und Viehhaltungsverbundbetriebe deutlich überdurchschnittlich häufig auf eine gesicherte Hofnachfolge verweisen, während Gartenbau und Dauerkulturbetriebe nur schwer einen Nachfolger finden. Die gesicherte Hofnachfolge ist bei Haupterwerbsbetrieben etwas wahrscheinlicher als bei Nebenerwerbsbetrieben.